16. März

16. März

Ich bin heute wieder spazieren gegangen. Gestern ist echt viel passiert. Dann habe ich auch noch Fräulein B. getroffen. Natürlich musste ich sie ansprechen. Warum sie so komisch war gestern.

„Oh Werther“, sagte sie, „kannst du meine Verwirrung so sehen, wie du mein Herz kennst? Wie ich gelitten habe? Von dem Moment an, wo ich in den Saal kam und dich da zwischen allen sah. Wie sollte ich dir sagen, dass du da nicht dazu passt? Es war so schwierig für mich.“

Ihre Worte liefen mir wie siedendes Wasser durch die Adern. Sie begann zu weinen. Ich wollte sie trösten, aber etwas hielt mich davon ab.

„Was meinst du mit schwierig?“

Nun schienen ihre  Tränen zu versiegen. „Du kennst noch meine Tante, oder?“

Ich nickte. Mein Hals war zugeschnürt. Ich konnte nichts sagen.

„Meine Tante hat mich gefragt, woher ich dich kenne. Ich habe ihr alles gestanden. Ich habe ihr alles erzählt. Ich musste mir eine Predigt anhören über unseren Umgang. Ich musste mir anhören, wie sie dich erniedrigt, herabgesetzt hat und konnte und durfte dich nur halb verteidigen.“

Warum sagt sie mir das? Jedes Wort ging mir wie ein Schwert durch die Brust. Warum kann sie mir das nicht einfach verschweigen? Warum erzählt sie mir, dass sie mich verraten hat? Ich verstehe das immer noch nicht. Sie hat auch noch hinzugefügt, dass die Gäste von gestern über mich tratschen würden.

Ich bin zerstört. Ich bin wütend. Ich wünschte, dass mir einer ins Gesicht sagt, dass ich nicht dazu passe. Ich würde ihn erschlagen. Wenn ich das Blut von jemandem von der Gesellschaft gestern sehen könnte, dann würde es mir so viel besser gehen. Ich hatte hundertmal ein Messer in der Hand. Ich habe mir überlegt, irgendjemanden einfach niederzustechen. Auf die Straße hinaus, den Erstbesten, einfach langsam das Messer über die Kehle zu ziehen und zuzusehen, wie er auf dem Boden zappelt und krepiert.

Man hört manchmal von Pferden, die so hitzig und aufgejagt werden, dass sie sich selbst eine Ader durchbeißen, um sich zu Atem zu verhelfen. Ich ertappe mich öfters bei dem Gedanken, ob ich mir eine Ader öffnen soll, ob mir das Atem, ewige Freiheit verschaffen würde.

24. März

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15. März

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