1. Juli 2018

1. Juli 2018

Ich hab gestern Lotte meinen Lieblingsort gezeigt. Meine kleine Schupfe. Lotte ist nicht so die Wandererin. Ich muss zwar zugeben, dass man schon ziemlich steil wandern muss an manchen Stellen, aber wir wurden regelmäßig von Senioren überholt. Aber kaum, dass wir oben angekommen waren, hat es ihr genau gleich gut gefallen wie mir. Ich war so glücklich. Es wäre schrecklich gewesen, wenn es ihr nicht gefallen hätte. Ich hätte es nie mehr gleich genießen können. Auf alle Fälle haben wir uns oben gleich auf die große Liegebank (?) gelegt, und weil es so ein schöner Tag war und ich mir ein Nachmittagsschläfchen nicht rauben lassen wollte… ja, ich hab's verschlafen…

Als ich wieder aufwachte, waren Freunde von Lotte da. Eine ziemlich hübsche Dame und ihr miesepetriger Freund. Der war mir von Anfang an unsympathisch. Und nachdem wir eine Runde gemacht haben, war er mich noch unsympathischer. Ich versteh nicht, wie jemand an so einem wunderschönem Tag wie diesem die ganze Zeit alles schlecht machen muss. Die ganze Zeit hat er auf seiner Freundin rumgehackt und kein Wort mit uns gesprochen.

Das ging mir auf die Nerven und als wir zur Alm zurückkamen, lenkte ich das Gespräch gegen die üble Laune. Wir Menschen beklagen uns so oft, dass alles schlecht sei, dass wir so wenig gute Tage hätten und auf der anderen Seite so viele schlechte. Und mir kommt vor, dass das nicht wahr ist. Wenn wir ein offenes Herz hätten und die schönen und guten Dinge im Leben genießen würden, dann könnten wir auch die schlechten ertragen. Lottes Freundin meinte dann, dass wir unsere Gefühle aber nicht in der Hand hätten und dass viel vom Köper abhängt. Wenn es uns nicht gut ginge, dann geht's uns halt nicht gut. Da hat sie natürlich recht. Wenn es einem seelisch nicht gut geht, dass ist das wie eine Krankheit. Aber gibt es dagegen wirklich kein Mittel?

Wenn es nach Lotte ginge, dann wäre das Mittel gegen Traurigkeit Tanzen. Und als sie das sagte, sprang sie auf und fing aus dem Nichts an zu tanzen. Sie ist so großartig. Weil wir aber keinen Spaß haben dürfen mit Mr. Mir-ist-nichts-recht, meinte dieser, dass man nicht seine Gefühle kontrollieren könne. 
Buhu. Ich fragte ihn, ob er, wenn er irgendwo Schmerzen hätte, nicht zu einem Arzt gehen würde. Darauf meinte er, ja, aber da würde er sich ja nicht etwas einbilden.

Weil es Einbildung ist, wenn es einem nicht gut geht. Ich fass den Typ einfach nicht. Muss er wirklich den ganzen Tag seiner Freundin auf die Nerven gehen, schlechte Laune verbreiten und ein Idiot sein?
Stellt euch vor, er macht das sein ganzes Leben. Und irgendwann wird sie totkrank. Sie liegt auf dem Sterbebett, kann kein Wort mehr sagen und hat nur Schmerzen. Er ist schuld daran, dass sie keinen schönen Tag im Leben hatte. 

Ich hasse solche Menschen. Wenn es jemanden nicht gut geht, dann muss man demjenigen helfen. Man muss demjenigen helfen und nicht auch noch auf ihn eintreten, wenn er schon am Boden liegt.

Am Ende haben wir uns voll gefressen und sind leidend den Berg wieder runter gerollt. Aber es war ein wunderbarer Tag. Ein wunderbarer Tag mit Lotte.

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