9. Mai

9. Mai

Die Reise fühlt sich fast an, als ob ich eine Pilgerfahrt unternommen hätte. Ich kam vom Bahnhof und das Gefühl der Stadt vertrieb mich in eben diesem Moment, wo ich das Bahnhofshaus verließ.
Ein Weinkrampf schüttelte mich. Ich bekam fast keine Luft mehr. Es war schrecklich. Nach zehn Minuten war es vorbei. Es fühlte sich aber viel länger an. Ich machte mich sofort auf den Weg in die Natur. Alles um mich fühlte sich vom Regen an, als ob die Luft Schwange wäre. Frisch und über all kamen die Blüten wieder heraus. Der kleine Weg durch den Wald kuschelte sich um mich. Ich sah ein kleines Haus, wo niemand zu wohnen schien. Leise ging ich auf das Bänkchen in der Sonne zu. Als ich aber um die Ecke des Häuschens sah, fand ich diese Szene.

Sie erinnerte mich so an meine Kindheit. Ich bin mit meinem Freund damals immer durch die Laken gelaufen. Meine Oma hat mir hinterher geschimpft. Wir haben uns gejagt, versteckt und gefangen. Wir sind gemeinsam zum See runter, wo wir Steine springen ließen. Wo ich manchmal alleine am Ufer gestanden bin und darauf gewartet habe, dass die Sonne untergeht.
Ich habe mir immer vorgestellt, dass ich die Erde entlang laufen und am Ende, abspringen kann. Ich habe mir vorgestellt, dass ich in die Sterne fliegen kann. Es macht mich so traurig.
Natürlich weiß ich, dass die Erde keine Scheibe, sondern eine Kugel ist. Aber es fühlt sich unmöglich an, von der Erde, so wie sie jetzt ist, abzuspringen. Eine Scheibe könnte ein Sprungbrett sein. Eine Kugel ist ein Gefängnis. Ich muss hier bleiben und mich an ihre verdammten Regeln halten.

Freiheit bedeutet, dass man immer nach Hause kommen kann. Mein Zuhause ist aber nicht hier, sondern da draußen. Bei meinen Sternen. Meinen Ideen. Meinem wahren ich.
Ich bin hier gefangen und kann halt rumlaufen. Toll…

Ich habe mich auch wieder mit dem Herrn zusammen gehört. Er lässt mich auf seinem Sommersitz schlafen. Es lässt sich aushalten. Die Leute hier sind unglaublich komisch. Manchmal kommen sie mir ehrlich vor und ich kann ihnen doch nicht trauen. Alle schätzen meinen Verstand so viel mehr als meine Gefühle.

Ich vermisse Lotte.

25. Mai

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5. Mai

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